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Poloplast macht Prozesse sichtbar mit Process Mining
8 min read • Sep 22, 2026
Wie lassen sich mehrere Terabyte Daten kontrolliert migrieren? Welche Abhängigkeiten sollten vor dem Cutover sichtbar sein? Und warum gehört die Stabilisierung nach dem Go-live genauso zur Planung wie die eigentliche Migration? Ein aktuelles Infor M3 Tech2.0-Projekt hat uns darauf einige sehr konkrete Antworten geliefert.
In diesem Projekt wurden mehr als 4 TB produktive Daten migriert. Gleichzeitig wechselte das Unternehmen von IBM i und DB2 auf Windows Server und Microsoft SQL Server. Diese Kombination war eine unternehmensspezifische Entscheidung – und ausdrücklich nicht Voraussetzung für eine Tech2.0-Migration.
Viel interessanter als die gewählte Plattform sind deshalb die Erfahrungen aus dem Projekt. Denn unabhängig von der jeweiligen technischen Ausgangssituation zeigen sich bei komplexen Migrationen einige Punkte, die Unternehmen frühzeitig berücksichtigen sollten.
Tech2.0 bezeichnet die neue technische Architektur von Infor M3. Die Migration ersetzt nicht automatisch Geschäftsprozesse oder Fachlogik.
Ebenso wichtig: Die Umstellung auf Tech2.0 und die Wahl der zugrunde liegenden Plattform sind zwei unterschiedliche Entscheidungen.
Eine bestehende IBM i-Umgebung kann weiterhin die passende Basis sein, wenn sie zuverlässig läuft und die Anforderungen des Unternehmens erfüllt. In anderen Fällen sprechen technische, organisatorische oder strategische Gründe dafür, die Tech2.0-Migration mit einem Plattformwechsel zu verbinden.
Genau das war bei dem hier beschriebenen Unternehmen der Fall. Die Zielarchitektur sollte künftig auf Windows Server und Microsoft SQL Server laufen. Gleichzeitig durfte der operative Betrieb in Lager, Kommissionierung und Auftragsabwicklung nur möglichst kurz unterbrochen werden.
Damit umfasste das Projekt weit mehr als die Installation einer neuen technischen Umgebung:
Unsere erste wichtige Erkenntnis daraus: Die technische Plattform ist nur ein Teil des Projekts. Mindestens genauso wichtig sind Schnittstellen, Datenqualität, Berechtigungen, Reporting und die Frage, wie sich die neue Umgebung im täglichen Betrieb verhält.
Über Jahre gewachsene M3-Umgebungen bestehen selten nur aus dem ERP-System selbst. Individuelle Schnittstellen, Reports, Batch-Jobs, Drittanwendungen und Authentifizierungsmechanismen greifen ineinander.
Genau diese Abhängigkeiten können bei einer Migration entscheidend werden.
Im konkreten Projekt erforderte beispielsweise der Wegfall von Basic Authentication Anpassungen an Anwendungen und Integrationen. Hinzu kamen Java-Kompatibilitätsthemen sowie Änderungen an verschiedenen Integrationen und einem zentralen Prozess.
Deshalb reicht die Frage „Läuft M3 nach der Migration?“ nicht aus. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Funktionieren die relevanten Geschäftsabläufe unter realistischen Bedingungen weiterhin wie vorgesehen?
Unser Tipp: Erfassen Sie technische Abhängigkeiten möglichst früh und beziehen Sie dabei auch die Fachbereiche ein. Was technisch unscheinbar wirkt, kann für einen operativen Prozess geschäftskritisch sein.
Eine der größten Herausforderungen im Projekt war die plattformübergreifende Migration von mehr als 4 TB produktiven Daten.
Ein einheitlicher Transferweg für sämtliche Tabellen erwies sich dabei als nicht sinnvoll. Stattdessen analysierte das Projektteam zunächst den tatsächlichen Datenbestand und entwickelte daraus einen kombinierten Ansatz.
Die rund 140 größten Tabellen wurden zunächst auf IBM i exportiert, auf die neue Plattform übertragen und anschließend über die Importfunktionen von Microsoft SQL Server eingelesen. Parallel dazu migrierte das Team rund 3.900 weitere M3-Tabellen mit BE-terna EnvCopy.
Das war kein Standardrezept, sondern eine Lösung für die konkreten Rahmenbedingungen dieses Projekts. Die übertragbare Erkenntnis lautet: Bei großen Datenmengen sollte das Migrationsverfahren den Daten folgen – nicht umgekehrt.
Besonders große Tabellen, unterschiedliche Änderungsraten oder geschäftskritische Daten können unterschiedliche Vorgehensweisen erfordern. Diese Unterschiede früh zu kennen, hilft dabei, das verfügbare Cutover-Fenster realistisch zu planen.
Eine erfolgreiche Datenmigration entsteht nicht erst am Go-live-Wochenende. Sie wird in den Testläufen davor vorbereitet.
Im Projekt haben sich fünf Schritte besonders bewährt:
Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Technisch vollständige Daten sind noch kein Beweis dafür, dass alle Geschäftsprozesse korrekt funktionieren.
In regulierten Unternehmen ist Dokumentation keine Begleiterscheinung des Projekts, sondern Teil der Umsetzung.
Im beschriebenen Projekt musste das Team relevante Installations-, Migrations- und Prüfschritte ausführlich dokumentieren, validieren und freigeben. Allein die Installationsdokumentation umfasste mehrere hundert Seiten. Hinzu kamen knapp 100 Seiten Migrationsdokumentation.
Das beeinflusst auch die Projektplanung. Vorlagen, Verantwortlichkeiten, Prüfschritte und Freigaben sollten deshalb nicht erst kurz vor dem Go-live definiert werden.
Wer Dokumentation parallel zur Umsetzung erstellt, vermeidet zusätzlichen Druck am Projektende und schafft gleichzeitig eine verlässliche Grundlage für Tests, Freigaben und den späteren Betrieb.
Die eigentliche Produktionsmigration verlief im beschriebenen Projekt zunächst besser als geplant. Erst im realen Betrieb zeigten sich weitere Herausforderungen.
Nach dem Start traten Performanceprobleme, Engpässe in operativen Prozessen und Programmabbrüche auf. Bei der gemeinsamen Ursachenanalyse zeigte sich unter anderem, dass Reporting-Prozesse Datenbank-Sperren auf zentralen M3-Tabellen verursachten. Zusätzlich trat ein produktseitiger Fehler in der Tech2.0-Kommunikation auf, der gemeinsam mit Infor bearbeitet wurde.
Solche Situationen lassen sich trotz sorgfältiger Vorbereitung nicht vollständig ausschließen. Entscheidend ist deshalb weniger, ob nach dem Go-live noch Fragen auftreten. Entscheidend ist, wie schnell das Projektteam sie erkennt, priorisiert und bearbeitet.
Im Projekt halfen dabei feste Abstimmungstermine, eine zentrale Aufgabenverwaltung, kurze Entscheidungswege und die enge Zusammenarbeit zwischen technischen Teams und Fachbereichen.
Unsere Erfahrung daraus: Planen Sie die Stabilisierungsphase von Beginn an als festen Bestandteil des Projekts ein. Erst im produktiven Zusammenspiel von Datenbank, Anwendungen, Integrationen, Reporting und realen Nutzerprozessen zeigt sich die neue Umgebung unter tatsächlicher Last.
Jede Infor M3 Umgebung ist anders. Deshalb gibt es auch für Tech2.0 keine Migrationsschablone, die für jedes Unternehmen gleichermaßen funktioniert.
Einige Erfahrungen aus diesem Projekt lassen sich jedoch gut übertragen:
Für uns bei BE-terna ist genau dieser Erfahrungsschatz besonders wertvoll. Mit jedem Tech2.0-Projekt lernen wir mehr darüber, welche Fragen früh gestellt werden sollten, wo typische Abhängigkeiten liegen und welche Vorgehensweisen sich unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen bewähren.
Unser Ziel ist dabei nicht, Unternehmen in eine bestimmte technische Richtung zu führen. Wir wollen Komplexität sichtbar und beherrschbar machen und gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden einen Weg entwickeln, der zu ihrer bestehenden Umgebung und ihren Zielen passt.
Eine Infor M3 Tech2.0-Migration ist kein reines Installationsprojekt. Daten, Integrationen, Prozesse, Dokumentation und der spätere Betrieb müssen zusammengedacht werden.
Das beschriebene Projekt mit mehr als 4 TB Daten zeigt vor allem eines: Je früher Unternehmen ihre Ausgangssituation verstehen und kritische Abhängigkeiten testen, desto besser lässt sich eine komplexe Migration planen und kontrollieren.
Gerne teilen wir unsere Erfahrungen aus bisherigen Projekten mit Ihnen und betrachten gemeinsam, welche Fragen für Ihre bestehende Infor M3 Umgebung relevant sind.
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