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Poloplast macht Prozesse sichtbar mit Process Mining
8 min read • Mar 19, 2026
Von optimierten Bestellungen im Handel bis zur automatisierten Buchhaltung: Diese Praxisbeispiele zeigen, wo Künstliche Intelligenz messbaren Geschäftsnutzen schafft.
Künstliche Intelligenz (KI) gehört heute zu den meistdiskutierten Themen in Unternehmen. Doch in vielen Führungsteams geht es längst nicht mehr um die Frage, ob KI relevant ist. Entscheidend ist etwas viel Konkreteres: Kann KI Margen verbessern, gebundenes Kapital im Lager reduzieren oder Prozesse spürbar beschleunigen?
Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen einem Technologietrend und echtem Geschäftsnutzen. Unternehmen brauchen keine abstrakten Zukunftsszenarien. Sie brauchen klare Antworten: Welcher Prozess wird schneller? Wie stark sinken Lagerbestände? Wie verbessert sich die Produktverfügbarkeit?
Unsere Erfahrung aus Projekten in Europa zeigt: Den größten Effekt erzielen Unternehmen nicht, wenn sie mit der Technologie starten. Sie erzielen ihn, wenn sie mit einer klaren geschäftlichen Frage beginnen. Welche Entscheidung soll besser werden? Welcher Prozess kostet heute zu viel Zeit, Geld oder Kapital?
Besonders großes Potenzial liegt in operativen Prozessen. Dort treffen Unternehmen täglich viele ähnliche Entscheidungen: zu Bestellungen, Beständen, Produktion oder Kundenkommunikation. Genau hier helfen Datenanalysen und Prognosemodelle, schnell messbare Ergebnisse zu erzielen.
Praxisbeispiele zeigen: Den größten finanziellen Effekt erzielen Unternehmen oft bei Entscheidungen rund um Bestellungen und Lagerbestände. Genau dort müssen Vertrieb, Logistik und Lieferantenbedingungen sinnvoll zusammenspielen. Schauen wir uns einige Beispiele aus verschiedenen Branchen an.
Im Handel, in der Pharma- und Medizintechnikdistribution, in Fashion oder im Bereich Heimtierbedarf basieren Bestellungen oft noch auf Erfahrung, Tabellen und Bauchgefühl. Das funktioniert, solange Standorte, Sortimente und Lieferbedingungen überschaubar bleiben. Sobald Unternehmen jedoch viele Filialen, tausende Artikel, unterschiedliche Lieferverträge, Aktionen, Ablaufdaten und Sicherheitsbestände steuern, wird manuelle Planung schnell zum Engpass.
Bei einem größeren regionalen Handelsunternehmen brauchten drei Mitarbeitende fast drei Arbeitstage pro Woche, um Bestellvorschläge vorzubereiten. Sie prüften Verkäufe je Standort, Lagerbestände und saisonale Entwicklungen. Zusätzlich mussten sie Aktionen, Mindestbestellmengen, Lieferantenboni und Lagerkapazitäten berücksichtigen.
Der erste Schritt war, Daten aus ERP, Vertrieb und Logistik zusammenzuführen und klare Geschäftsregeln zu definieren. Dazu gehörten vertragliche Vorgaben, Sicherheitsbestände und besondere Lagerbedingungen. Anschließend ergänzten Prognosemodelle die Planung. Heute erstellt das System automatisch Bestellvorschläge je Standort, optimiert Umlagerungen zwischen Filialen und berücksichtigt logistische sowie vertragliche Rahmenbedingungen.
Ein Prozess, der früher fast drei Arbeitstage dauerte, ist nun in wenigen Stunden erledigt. Für mehr als 85 Prozent der Artikel generiert und platziert das System Bestellungen automatisch. Gleichzeitig gingen Out-of-Stock-Situationen um bis zu 90 Prozent zurück. Langsam drehende Artikel liegen seltener im Lager und binden weniger Kapital.
Wichtig dabei: Das System arbeitet nicht vollständig autonom und ersetzt keine verantwortlichen Personen. Es unterstützt sie. Komplexe Artikel prüfen Mitarbeitende weiterhin selbst. Der Unterschied ist einfach: Der Algorithmus vergisst keine Bestellung.
Logistikkosten stehen auf Rechnungen und sind deshalb leicht sichtbar. Weniger sichtbar sind die Folgen schlechter Bestellentscheidungen: zu hohe Bestände, überfüllte Lager und niedriger Lagerumschlag. Diese Kosten zeigen sich oft erst später in der Finanzplanung.
In mehreren Projekten zeigte sich ein ähnliches Muster: Unternehmen bestellten so, dass ein Lkw möglichst voll war. Das klang effizient, führte aber dazu, dass Ware monatelang im Lager lag und Kapital band.
Durch optimierte Ladegrößen und Bestellfrequenzen auf Basis von Absatzprognosen, Lieferzeiten und Vertragsbedingungen wurden Verbesserungen schnell sichtbar. Transportkosten sanken um fünf bis 15 Prozent. Das im Lager gebundene Kapital ging im Durchschnitt um mehr als 20 Prozent zurück, ohne die Produktverfügbarkeit zu verschlechtern. In einzelnen Kategorien lagen die Einsparungen sogar zwischen 25 und 65 Prozent.
Das System berücksichtigt Saisonalität, Mindestbestellmengen, Lieferantenboni und Lagergrenzen. Es schlägt vor, wie Bestellungen über das Jahr verteilt werden sollten. Außerdem berechnet es, ob ein Lieferantenbonus wirtschaftlich sinnvoll ist, wenn zusätzliche Lagerkosten und Kapitalbindung einbezogen werden. Das ist kein technisches Experiment. Es ist die Optimierung einer finanziell wichtigen Entscheidung.
In produzierenden Unternehmen entstehen Ineffizienzen oft dort, wo Abteilungen mit unterschiedlichen Zielen arbeiten. Der Vertrieb sagt Liefertermine zu. Die Produktion optimiert Kapazitäten. Der Einkauf sichert Materialverfügbarkeit ab. Wenn diese Perspektiven nicht zusammenpassen, entstehen Verzögerungen oder zu hohe Bestände.
Ein sinnvoller KI-Einsatz verbindet Absatzprognosen mit tatsächlichen Produktionsmöglichkeiten. Das Modell berücksichtigt Stücklisten, technologische Abläufe, Maschinenkapazitäten und Lieferzeiten für Rohstoffe. Statt getrennter Pläne entsteht ein Szenario, das machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist.
In der Lagerfertigung verbessert sich die Produktverfügbarkeit um 10 bis 20 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Zahl kurzfristiger Planänderungen um bis zu 30 Prozent. In der Auftragsfertigung verkürzen sich Reaktionszeiten um 15 bis 25 Prozent. Bestände an Rohstoffen und Halbfertigwaren gehen um 10 bis 20 Prozent zurück, ohne das Servicelevel zu verschlechtern.
Der größte Fortschritt liegt jedoch nicht nur in den Zahlen. Vertrieb, Produktion und Einkauf entscheiden auf Basis derselben Daten. Das schafft Transparenz, reduziert interne Eskalationen und macht den Cashflow planbarer.
In Hotellerie, Banken, Versicherungen und anderen B2C-Branchen wird KI oft mit Personalisierung verbunden. In der Praxis beginnt der größte Nutzen jedoch häufig früher: bei der Datenqualität.
Bei einem Kunden wurde zunächst die Gästedatenbank bereinigt und von Dubletten befreit. Allein dieser Schritt erhöhte die Öffnungsraten von E-Mails um mehr als 20 Prozent und senkte die Abmelderaten. Erst danach wurden Verhaltenssegmente und Prognosen für den besten Kontaktzeitpunkt eingeführt. Die Kampagnenwirkung stieg um 15 bis 30 Prozent.
Auch in der Bearbeitung von Anfragen zeigt sich der Nutzen klar. Das System klassifiziert eingehende Nachrichten automatisch und bereitet Antwortvorschläge vor. Dadurch sank die Bearbeitungszeit um rund 40 Prozent. Gleichzeitig wurde die Kommunikation einheitlicher.
Ein allgemeiner KI-Assistent bringt selten messbare Ergebnisse, wenn er nicht mit ERP- und CRM-Systemen verbunden ist. Wirkung entsteht dort, wo KI in die zentralen Geschäftsprozesse eingebettet ist.
Auch im Finanzbereich wirkt derselbe Ansatz. Bei einem Industrieunternehmen wurde ein Modell entwickelt, das beim Eingang einer E-Rechnung automatisch ein Konto und einen Steuercode vorschlägt. Die Buchhaltung prüft und bestätigt den Vorschlag. Das reduziert die Bearbeitungszeit deutlich.
Der Ansatz lässt sich auch auf Monatsabschlüsse, den Abgleich offener Posten und andere wiederkehrende Prozesse übertragen. Alles, was auf Regeln, Mustern und historischen Daten basiert, kann gezielt verbessert werden.
Erfolgreiche KI-Projekte starten nicht mit einem Tool. Sie starten mit einer konkreten Geschäftsentscheidung, einem klaren Anwendungsfall und einem gut verstandenen Problem. Die wichtigsten Voraussetzungen sind vernetzte, hochwertige Daten und eine enge Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT. Standardlösungen reichen selten aus. Jede Lösung muss zum Unternehmen, zu seinen Prozessen und zu seinen Zielen passen.
KI ist kein Wundermittel. Aber sie ist ein sehr wirksamer Hebel, wenn Entscheidungen häufig wiederkehren und direkte Auswirkungen auf Kosten, Umsatz oder Kapitalbindung haben. Viele Unternehmen haben die nötigen Daten bereits in ihren Systemen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr: Sollen wir KI einsetzen? Sondern: Welchen Geschäftsprozess verbessern wir zuerst?
Wenn KI Teil des Kerngeschäfts wird, zeigen sich Ergebnisse in Margen, Lagerbeständen, Cashflow und Kundenzufriedenheit. Dann sprechen wir nicht mehr über einen Trend, sondern über einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Sprechen Sie mit unseren KI-Expertinnen und -Experten. Gemeinsam prüfen wir, welche Prozesse sich zuerst lohnen – mit Blick auf Kosten, Lagerbestände, Cashflow und Marge.
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