Innsbruck · 12.05.2020

Zollabwicklung leicht(er) gemacht: Weltweit agieren mit Microsoft D365 Finance & Operations

Verfasst von Hermann Erlacher 

Durch die Globalisierung sind Unternehmen in der Lage überall auf der Welt Waren ein- und natürlich auch zu verkaufen. Bei der Zollabwicklung fallen eine Reihe von Prozessen die Abklärungen und Abwicklung betreffedn zu Thematiken wie Präferenzkalkulation, Lieferantenlangzeiterklärungen, Ursprungsland, Zolltarifnummern, Sanktionslisten, Dual Use, Proforma-Rechnung und Intrastat-Meldung an. In diesem Bereich stellen wir von BE-terna eine umfangreiche Lösung zur Verfügung, die durch Standard-Funktionen unterstützt wird. Im Folgenden befassen wir uns näher mit Präferenzkalkulation.

Die Präferenzkalkulation bezeichnet ein Rechenverfahren zur Ermittlung der Ursprungseigenschaft eines Produktes. Durch die Feststellung der Ursprungseigenschaft entsprechend den Ursprungsregeln ist es dem Hersteller oder Exporteur eines Produktes möglich, für dieses eine Präferenzbehandlung in Anspruch zu nehmen. Die Präferenzbehandlung erlaubt es beispielsweise, das Produkt zu Präferenzzollsätzen (d. h. zollfrei oder zollermäßigt) in ein Bestimmungsland auszuführen, sofern zwischen Ursprungs- und Bestimmungsland ein Präferenzabkommen besteht. Dadurch kann der Hersteller oder Exporteur eines Produkts mit Ursprungseigenschaft unter Umständen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Hersteller oder Exporteur eines vergleichbaren Produkts ohne Ursprungseigenschaft erzielen, da das Produkt nicht mit Zollabgaben belastet wird. Präferenzabkommen regeln somit zwischenstaatliche Beziehungen durch die Gewährung von Vergünstigungen, z.B. Zollbefreiung bei Importen gegenüber ausländischen Partnern. Im Vergleich zu Handelsabkommen sind Präferenzabkommen die nächsthöhere Stufe zwischenstaatlicher Beziehungen. Da Präferenzregeln immer nur im Verhältnis zum jeweiligen Abkommenspartner gelten, muss zuerst geprüft werden, ob ein Abkommen besteht.

Wie funktioniert die Präferenzkalkulation in D365 F&O?

Die Präferenzkalkulation wird in Microsoft D365 F&O wird durch eine Prüfung der Stücklistenpositionen durchgeführt. Bei den Einsatzmaterialien werden die relevanten Präferenzabkommen verwaltet. Das sind jene, die der Lieferant uns bestätigt. Dem Verkaufsartikel ordnen wir eine Zolltarifnummer (HS code) zu. Der Zolltarifnummer wiederum sind die Regelsätze (Kalkulation) zugeordnet. Durch Prüfung des Landes (aus der Lieferadresse) eruiert das Programm automatisch, ob für das jeweilige Abkommen eine Präferenz gegeben werden kann. Im Kundenauftrag und am Verkaufsartikel kann schließlich das Ergebnis eingesehen und entsprechende Reports erzeugt werden.

Unkomplizierte Zollabwicklung mittels Präferenzkalkulation

SCHRITT 1: Präferenzabkommen einrichten

Wir starten mit der Einrichtung der notwendigen Präferenzabkommen in unserer D365 F&O-Plattform. Diese Präferenzabkommen enthalten die entsprechenden Länder und werden im weiteren Prozess zur Prüfung des Lieferlandes herangezogen. 

 

 

SCHRITT 2: Präferenzregeln erstellen

Die Präferenzregeln können durch den modularen Aufbau frei definiert werden. In unserem Beispiel darf der Anteil der Einsatzmaterialien, die „Nicht Ursprungsware“ sind, maximal 10 % sein.

 

 

SCHRITT 3: Zolltarifnummern zuordnen

Die Präferenzregeln und Präferenzabkommen werden nun im System den entsprechenden Zolltarifnummern, für die diese Gültigkeit haben, zugeordnet.

 

 

SCHRITT 4: Hinterlegen der Präferenzdaten beim Artikel

In unserem Beispiel handelt es sich um ein Produktionsartikel. Die Einsatzmaterialien des fertigen Produktes werden nun mit den entsprechenden Lieferantenerklärungen und Gültigkeitsdaten versehen. Eine einfach einzurichtende Meldung, erinnert Sie an die Einholung neuer Erklärungen für das Folgejahr. Durch den Einsatz von Power Automate können auch automatisiert E-Mails an die Lieferanten versendet werden.

 

 

Beim Einsatzmaterial wird die Information der Lieferanten bzgl. der Präferenzabkommen hinterlegt: Gültiges Abkommen, Lieferantenerklärungscode („Ursprungsware“/„Nicht Ursprungsware“) und Lieferantenerklärungsdatum (Auslaufdatum der Lieferantenerklärung).

Am Verkaufsartikel oder Halbfertigzeugnissen hinterlegt finden sich die relevanten Präferenzabkommen, sowie die Präferenzcodes. Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung: 

  • Berechnen = Kalkulation der Stücklistenpositionen
  • Ursprungsware = Manuelle Entscheidung (Stückliste wird nicht weiter aufgelöst)
  • Nicht Ursprungsware = Manuelle Entscheidung (Stückliste wird nicht weiter aufgelöst).

 

Nachdem die Berechnung durchgeführt wurde, werden drei weitere Felder automatisch befüllt. Dazu zählen: Ergebnis (Ursprungsware, Nicht Ursprungsware, Preisabhängig), Verwendete Regel (Regel die zur Kalkulation verwendet wurd) und Präferenzpreis. Das Feld „Präferenzpreis“ ist nur dann befüllt, wenn das Ergebnis „Preisabhängig“ ist, was bedeutet, dass Positionen in der Stückliste mit „Nicht Ursprungsware“ enthalten sind.

Weitere Informationen zum Ergebnis können in den Kalkulationsdetails aufgerufen werden.

 

SCHRITT 5: Kundenauftrag erstellen

Im letzten Schritt erstellen wir einen Kundenauftrag in D365 F&O, in dem unser Verkaufsartikel und ein Lieferland (in Abkommen) enthalten sind.

 

 

Im Kundenauftrag wird das Ergebnis, in Bezug auf das Land der Lieferadresse, in Verbindung mit dem gültigen Präferenzabkommen erkannt und dargestellt. Der Präferenzpreis stellt den Grenzwert da, der erreicht werden muss, um das Produkt als „Ursprungsware“ zu deklarieren.

Zur weiteren Verwendung stellen wir auch einen Ergebnisbericht zur Verfügung. Dieser kann aus der D365 F&O Lösung gedruckt, exportiert oder per Mail versandt werden.

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